Rekord bei Trüffelauktion: Weißer Diamant aus Alba erzielt 120.000 Eur…
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Ein Pilz macht Geschichte: Der teuerste Trüffel der Welt
Von unserem Gastronomiekorrespondent Marco Bianchi
Alba, Piemont. Die Luft in der mittelalterlichen Halle des Castello di Grinzane Cavour bebte, als der Auktionator den Hammer fallen ließ. "Venduto! Für 120.000 Euro an Herrn Li!" Ein Raunen ging durch die Reihen der internationalen Gourmets und Investoren. So viel hatte noch nie jemand für einen einzelnen Pilz bezahlt. Das Objekt der Begierde: Ein 1,52 Kilogramm schwerer weißer Alba-Trüffel (Tuber magnatum pico), der nicht nur durch seine außergewöhnliche Größe, sondern auch durch seine perfekt runde Form und intensive Aromatik Experten in Verzückung versetzte.
Gefunden wurde dieses unterirdische Juwel in den nebligen Hügeln des Langhe-Gebietes vom 72-jährigen Trüffelsucher Carlo Garbarino und seinem unfehlbaren Lagotto-Romagnolo-Hund "Brio". "Es war ein magischer Morgen", Frischetrueffeln.De erzählt Garbarino mit brüchiger Stimme, während er die knorrigen Hände um einen Espresso schließt. "Der Boden dampfte nach dem Regen, und Brio wurde ganz verrückt. Als ich vorsichtig die Erde wegscharrte, dachte ich zuerst an einen Stein. Dann traf mich dieser betörende Geruch – süß, erdig, unverkennbar. Ich wusste: Das ist der Fund meines Lebens."
Warum Trüffel Unsummen wert sind
Das Phänomen der astronomischen Trüffelpreise erklärt Dr. Elisa Moretti, Mykologin an der Universität Turin: "Weiße Trüffel lassen sich weder züchten noch lagern. Sie sind reine Wildnis, abhängig von mikroskopisch komplexen Symbiosen mit Eichen- und Pappelwurzeln. Klimawandel und Bodenversiegelung reduzieren die Ernten dramatisch." Die Saison dauert nur von Oktober bis Dezember, und 2023 brachte nach sintflutartigen Regenfällen im Frühjahr die geringste Ernte seit 30 Jahren. Spitzenqualität erreichen nur etwa 0,5% aller gefundenen Trüffel – jene mit festem Fleisch, feiner Marmorierung und dem legendären Duft nach nassem Wald, Honig und Muskat.
Der Rekordtrüffel übertrifft laut Moretti selbst den bisherigen Spitzenreiter: Einen 900-Gramm-Trüffel, der 2014 für 90.000 Euro unter den Hammer kam. "Sein Aroma enthält ungewöhnliche Nuancen von reifer Ananas und Safran – eine sensorische Symphonie", schwärmt Sternekoch Antonio Carlini, der den Schatz vor der Auktion begutachten durfte.
Das Geschäft mit der unterirdischen Delikatesse
Die Auktion in Alba, seit 1930 ein gesellschaftliches Highlight, verbindet Tradition mit globalem Kapital. "Vor zwanzig Jahren dominierten noch europäische Sterneköche das Bieten", erklärt Auktionsleiterin Giulia Rosso. "Heute treiben vor allem asiatische Sammler die Preise. Für sie symbolisiert der Trüffel nicht nur kulinarische Exzellenz, sondern auch Status und Investitionssicherheit." Der anonyme Käufer aus Hongkong plane, das Prachtstück bei einer privaten Dinner-Gala in Makau zu servieren – eingeflogen in einer mit Reis gefüllten Kühlbox, um die Feuchtigkeit zu stabilisieren.
Der Rekord wirkt wie ein Katalysator auf den gesamten Markt. Großhändler berichten von Preissteigerungen um 35% gegenüber 2022. Ein Gramm des "weißen Goldes" kostet im Einzelhandel nun bis zu 15 Euro. Für Sammler wie den Münchner Unternehmer Felix Weber lohnt das Risiko: "Ich kaufe jedes Jahr Trüffel als Wertanlage. Eingefroren und vakuumiert halten sie Jahre. Die Wertsteigerung übertrifft Gold."
Kulturgeschichte eines kulinarischen Mythos
Dabei war der Trüffel nicht immer Luxusgut. Im Mittelalter mied man die "Teufelsknolle", bis Päpste und Könige ihre aphrodisierende Wirkung rühmten. Casanova soll täglich Trüffelomeletts verzehrt haben, Napoleon zeugte nach Trüffel-Konsum angeblich seinen Sohn. Heute definieren Spitzenrestaurants wie das "Piazza Duomo" in Alba ihre Menüs um das Tuber Aroma. Küchenchef Enrico Crippa kommentiert: "Ein Trüffel ist wie ein Diamant: Sein Wert entsteht durch Seltenheit, Handwerkskunst der Bearbeitung und die Emotion, die er auslöst. Mit einer Reibe über Tajarin-Nudeln verwandelt er eine Mahlzeit in ein unvergessliches Ritual."
Doch hinter dem Glamour kämpfen die Trüffelsucher ums Überleben. Garbarino, der 60.000 Euro vom Rekord-Erlös erhält (der Rest geht an soziale Projekte), fürchtet die Zukunft: "Die Jugend lernt den Wald nicht mehr lesen. Und Klimaextreme lassen die Trüffel schrumpfen." Tatsächlich zeigen Studien: Die durchschnittliche Größe der Tuber magnatum pico hat sich seit 1990 halbiert.
Ein flüchtiger Schatz
Ob der Rekord bald gebrochen wird? "Unwahrscheinlich", meint Moretti. "Megatrüffel entstehen nur durch perfekte Kombination von Boden-pH-Wert, Baumalter und Niederschlag – ein ökologisches Roulette." Sternekoch Carlini sieht es philosophisch: "Sein Zauber liegt gerade in der Vergänglichkeit. Selbst für 120.000 Euro bleibt er nur wenige Tage aromatisch. Das erinnert uns daran, dass die größten Kostbarkeiten oft die flüchtigsten sind."
Während Herr Lis Trüffel bereits per Privatjet nach Asien reiste, schultert Carlo Garbarino am nächsten Morgen wieder seine Hacke. Nebel hängt zwischen den kahlen Reben. Brio schnuppert aufgeregt. "Vielleicht liegt noch ein Wunder im Boden", flüstert der alte Trüffeljäger – ein Sucher im Reich der flüchtigen Düfte, wo Natur und Menschengier seltsame Allianzen schmieden.
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